Schule für modernes japanisches Trommeln in Hamburg
Schule für modernes japanisches Trommeln in Hamburg




Allgemein Taiko/Japan Unterricht Auftritte Kiontext
Was ist der Taiko-Stil des Kion Dojo und was für eine Philosophie steht hinter dem Trommeln?
Wer sich für weitere Fragen zu ähnlichen Themen interessiert, für den gibt es hier ein paar exemplarische Artikel aus Ingus Blog:
Was ist Groove? - Von Wörten und Geschichten (über unterschiedliche Taiko-Stile/Unterrichtsstile)
Talent oder Fleiss? - Kein Gegensatz (über die Frage Talent oder Fleiss?)
Vom Vorteil des Kreises gegenüber der Linie (über Schlagtechniken beim Trommeln)
Ein Restaurant als der ideale Taiko-Dojo (über Dojo-Struktur)
Taiko-Samba mit japanischen Fledermäusen (über Taiko-Sessions)
3 Schläge in 3 Stunden (über Gründlichkeit und Ablenkung)
Zum Thema Selbstvertrauen (über Selbstvertrauen)
Was den Tawoo Dojo ausmacht (über Individualität und Konzentration)
Nippon-Report (eine allgemeine Einführung in unseren Partner-Dojo, den Tawoo Dojo und Gocoo in Tokyo)

„Beginne eine schwierige Arbeit mit dem leichten Anfang. Jede große Arbeit besteht aus kleinen Teilen. Auf diese Weise erfüllt man allmählich große Aufgaben.
Wenn jemand verspricht, große Arbeit schnell durchzuführen, kann man solch einer Person nicht vertrauen...“ -Lao Tse - Tao Te King
Diese Zeilen aus dem „Tao Te King“ lassen sich sehr gut auf das Lernen von Taiko anwenden! Die zahlreichen rhythmischen Ausdrucksmöglichkeiten, die Bewegungsabläufe des Körpers, die musikalischen Herausforderungen die das Taiko bietet, mögen besonders für manche Anfänger schier riesengroß und niemals erlernbar oder schaffbar zu sein. Würde man annehmen, man könnte hier innerhalb kürzester Zeit all dies lernen können, dann irrt man sehr wahrscheinlich. Unterteilt man aber die „Arbeit“ in viele kleine überschaubare Schritte, dann ist das wie eine Treppe die aus 2 Meter hohen Stufen besteht, deren Stufen man dann aber auf eine Höhe von 30 Zentimetern verkleinert. Eine einzelne Stufe von 2 Metern ist nur mit viel Anstrengung und Mühe zu überwinden, bei 30 Zentimeter hohen Stufen muss man zwar mehr Schritte machen, sie sind aber wesentlich einfacher. Genauso können Taiko-Rhythmen und Bewegungsabläufe in kleine, leicht zu erlernende Schritte unterteilt werden.
„Wasser ist fein und nachgiebig. Doch es zerstört das Harte. Nichts ist mit ihm zu vergleichen, das Harte zu bezwingen.
Fein und zärtlich bezwingen hart und grob. Nur weise Menschen verstehen die Essenz dieser Aussage...“ -Lao Tse - Tao Te King
Auch hier haben Menschen in längst vergangenen Zeiten Weisheiten über den natürlichen Lauf der Dinge entdeckt, die um ein vielfaches intelligenter waren, als das was viele Menschen in der heutigen Zeit antreibt. Wenn wir diese Zeilen als Inspiration für das Taiko nehmen, bedeutet dies, dass es eben nicht darum geht der Trommel mit „Härte“ zu begegnen, sondern Geschmeidigkeit im Körper und den Bewegungsabläufen zu entwickeln. Wenn das gelingt und wir mit der richtigen Balance aus Entspannung und Anspannung und einer großen Portion Leichtigkeit den Körper wie fliessendes Wasser bewegen können, dann führt das zu grossem Trommelklang. Mehr als durch Härte jemals zu erreichen wäre.
„Der Raum über der Erde ist leer und frei wie der Raum innerhalb eines Blasebalgs oder einer Flöte. Je mehr Raum für die Handlung ist, desto effektiver kann die Handlung sein.“ -Lao Tse - Tao Te King
Nehmen wir diese Zeilen einmal als Anregung für einen guten Unterrichtsstil, so bedeutet das, dass der Taiko-Lehrer nicht ein sehr begrenzten engen Weg für seine Schüler aufzeigt, sondern eine Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten zulässt. Der oder die Taiko-Lehrer eines Taiko Dojo bestimmen im Wesentlichen darüber, wie viel Raum er seinen Schülern im Dojo und beim Trommeln lässt. Hat der Lehrer dabei eine sehr enge Vorstellung von dem, was seine Schüler lernen sollen, dann reagiert er logischerweise bei Abweichungen seiner Schüler mit weiterer Eingrenzung und Kontrolle. Vergrößert der Lehrer aber in seiner eigenen Vorstellung den Raum und damit die möglichen Wege, die die Schüler nehmen können, so können die Schüler auch nicht so schnell davon abweichen. Dies erfordert vom Lehrer viel Gelassenheit. Natürlich ist dies kein Freibrief für Beliebigkeit!
„Interaktion der Gegensätze ist die Sphäre der Aktivitäten des Tao. Die höchste Subtilität ist eine der wichtigsten Qualitäten des Tao. Diese ist den groben Qualitäten der bösen Menschen entgegengesetzt.“ -Lao Tse - Tao Te King
Yin und Yang steht für die Einheit der Gegensätze und ihrer Abhängigkeit voneinander. Demnach ist eine Taiko-Gruppe die nur aus ähnlichen Charakteren besteht vermutlich sehr langweilig. Genauso lebt ein Taiko Dojo von der Unterschiedlichkeit der Menschen die in ihm trommeln. Auf den Sound bezogen bedeutet das, wenn in einem Taikostück Laut und Leise aufeinandertreffen, Hoch und Tief, Schnell und Langsam, Zart und Heftig, Ernst und Heiterkeit, dann ist diese Art zu Trommeln nicht nur musikalisch interessanter, sie spiegelt auch das Leben mit all seinen Facetten wieder.
An dieser Stelle danke ich Kaoly Asano, der Leiterin des Tawoo Dojo in Tokyo für ihre menschlich und trommlerisch höchst inspirierende Art und Unterstützung.
Ingmar Kikat, Hamburg, 9.3.2011



